„Bad Endorf barrierefrei“ – Ein Projekt des SPD-Ortsvereins Bad Endorf

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Barrierefreiheit im öffentlichen Raum ist ein Thema, das viele Gemüter bewegt. Bad Endorf ist ein Ort, in den viele Menschen mit Mobilitätseinschränkungen zur Rehabilitation kommen. Darüber hinaus verfügt unser Ort über einige Senioren- und Pflegeheime in denen Menschen leben, die nicht mehr uneingeschränkt mobil sind. Auf der Homepage der Marktgemeinde Bad Endorf ist unter der Überschrift Barrierefrei im Chiemsee-Alpenland“ der folgende bemerkenswerte Text zu lesen: Unser erklärtes Ziel ist es, dass sich alle Gäste bei uns wohlfühlen, ob unterwegs mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen. Um diesen Wohlfühlfaktor zu erreichen, ist „Barrierefreiheit“ für uns ein wichtiges Thema, denn sich wohlfühlen setzt voraus, dass Menschen mit eingeschränkter Mobilität nicht unentwegt an Grenzen baulicher und zwischenmenschlicher Natur stoßen.

Umso bemerkenswerter war Frau Labans Versprechen im Falle eines Wahlsieges. Einige von Ihnen werden sich sicher noch an die Kandidatenrunde vor dem Wahlsonntag im Kultursaal erinnern, bei welcher sie versprach, sich von Hr. Rosinger im Rollstuhl durch den Ort schieben zu lassen, um die Schwachstellen in Bezug auf Barrierefreiheit zu erkennen. Bis heute wurde dieses Versprechen nicht eingelöst und keinerlei Verbesserungen wurden initiiert.

Frau Laban hat es versprochen, wir haben es getan! Unter dem Motto „Bad Endorf barrierefrei“ haben Mitglieder des Bad Endorfer SPD-Ortsvereins am 14.05.2015 eine Ortsbegehung der etwas anderen Art durchgeführt. Bei der knapp zweistündigen Tour durch den Ortskern galt es, „Problemstellen“ ausfindig zu machen. Wir hatten uns hierzu einen Rollstuhl ausgeliehen, um Bad Endorf aus der Perspektive kennenzulernen, die sonst nur Menschen mit einer körperlichen Beeinträchtigung wahrnehmen.

Nur mit erheblichen Problemen konnte ich mich im Rollstuhl durch den Ort bewegen. Mein Fazit war ernüchternd bis erschreckend! Menschen mit Behinderungen, haben es in Bad Endorf schwer. Das gilt nicht nur für Rollstuhlfahrer sondern auch für Menschen, die mit Krücken oder Rollatoren unterwegs sind. Aber fehlende Barrierefreiheit ist nicht nur ein Problem für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung, sondern auch für Mütter und Väter mit Kinderwagen. Bei der relativ kurzen Begehung, die sich rein auf den Ortskern und das Kurgebiet beschränkte, wurden zahlreiche „Hindernisse“ ausfindig gemacht und dokumentiert. Diese machen es den Betroffenen schwer, gefahrlos vorwärts zu kommen. Sicher gibt es noch weit mehr Gefahrenstellen.

Einige Beispiele für Gefahrenstellen:

  • Schlaglöcher und notdürftig geflickte Teerdecken sind nicht nur ein Problem für Autofahrer. Auf zahllosen Bürgersteigen und Wegen „lauern tiefe Löcher als Stolperfallen auf ihre Opfer“.
  • Eine gefahrlose Überquerung der Bahnhofstraße ist für Rollstuhlfahrer praktisch unmöglich. Es gibt zwar eine Fußgängerampel in der Nähe des Rathauses und einen Zebrastreifen auf Höhe des Bahnhofs, die schlecht ausgeführten Bordsteinabsenkungen stellen für Rollstuhlfahrer aber ein erhebliches Hindernis dar. Außer der Fußgängerampel und dem Zebrastreifen gibt es keine weitere Möglichkeit, für bewegungseingeschränkte Menschen, die Bahnhofstraße gefahrlos zu überqueren.
  • Lobenswert ist festzustellen, dass dort, wo Bürgersteige neu angelegt wurden, diese barrierefrei abgesenkt sind. Dieser positive Effekt hebt sich jedoch wieder auf, da die abgesenkten Bürgersteige von Autofahrern als willkommener Parkraum genutzt werden. Rollstuhlfahrer und Fußgänger müssen dann auf die Fahrbahn ausweichen.

Die Begehung fand an einem relativ verkehrsarmen Feiertag statt. Diejenigen, die dabei waren, fragen sich, um wieviel gefährlicher es wohl zugehen muss, wenn der Alltagsverkehr durch Bad Endorf rollt. Die Liste lässt sich leider problemlos fortschreiben. Die festgestellten „Hindernisse“ wurden bei der Begehung durch den Ortsverein der SPD dokumentiert.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, die Marktgemeinde Bad Endorf führt demnächst eine Bürgerbefragung durch, bei welcher alle Bürger aufgerufen sind, Themen die sie an unserem Ortsbild bewegen, mitzuteilen. Der Antrag der Grünen-Fraktion zur Durchführung der Befragung wurde auch von der SPD Gemeinderatsfraktion unterstützt. Der SPD Ortsverein wird die offengelegten Schwachstellen als Verbesserungsanregungen bei der Marktgemeinde einreichen. Gleichzeitig wird die Fraktion im Marktgemeinderat nach Auswertung der Ergebnisse einen konkreten Aktionsplan in Bezug auf Barrierefreiheit einfordern und dessen Umsetzung nachhalten. Der Aktionsplan soll die Einzelmaßnahmen und deren Finanzierung für die nächsten Jahre darlegen. Bitte beteiligen auch Sie sich an der Bürgerbefragung! Bitte melden Sie Ihre Verbesserungswünsche! Viele Dinge fallen leider nur Betroffenen auf, wie ich selbst durch unsere Rollstuhlaktion erfahren durfte.

Herzlich lade ich Sie alle zu unserem nächsten Ortsvereinsstammtisch ein. Dieser findet am Mittwoch, den 03. Juni 2015, um 19:30 Uhr im Gasthaus Weißbräu statt. Oder besuchen Sie die Internetseite der Bayern SPD zum Thema unter www.bayernbarrierefrei.de .

Beste Grüße

Walter Kindermann

Fraktionssprecher & Ortsvorsitzender

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